Xing
22 user online
Richard Wurmbrand
   
Pfarrer Richard Wurmbrand
Rumänien, ca. 1965
Der Rumäne Richard Wurmbrand war, weil er von seinem Glauben an Jesus Christus erzählte, in einem Spezialgefängnis zur Umerziehung. Seine atheistischen Folterer erklärten: "Es gibt keinen Gott, der dich vor uns beschützt und der uns bestraft. Wir können mit dir tun, was wir wollen" Und so schnitten und brannten sie ihm im Laufe der Jahre 14 Löcher in den Leib, die wegen fehlender Wundbehandlung und wegen mangelhaften Ernährung kaum vernarbten.
So sass er da, angeschmiedet an schwere Ketten, allein, tief unter der Erde und spielte mit seinen Ketten. Kling Klang : "Ach, wie lieb sind die Atheisten. Sie haben mir ein Musikinstrument gegeben". Kling Klang. Und er sang:

Ein feste Burg ist unser Gott,
Kling Klang, Kling Klang,
Ein gute Wehr und Waffen.
Kling Klang, Kling Klang.
Er hilft uns frei aus aller Not
Kling Klang, Kling Klang,
Die uns jetzt hat betroffen.
Kling Klang, Kling Klang . . .



Vielgeliebte Kinder!

Heute schlugen die Kommunisten mich furchtbar. Am Ende wurde ich ohnmächtig. Sie brachten mich aber wieder zum Bewusstsein, indem sie Wasser über mich schütteten; dann schlugen sie mich wieder.

Und dann geschah das Schlimmste. Die Tür flog auf, und in den Raum, wo ich mit meinen Verhörern war, stürzten unsere Brüder und Schwestern - Bruder Davidescu, der mit dem langen Bart, Bruder Marinov und die alte Tante Ionescu und Susanne und alle, die ich so liebte. Ich wunderte mich, wie sie ins Gefängnis gekommen waren. Dann begannen sie, denen ich nie etwas getan hatte, mich zu schlagen. Die Tür ging nochmals auf. Nun kam Binzea, meine Frau, und Mihai, mein Sohn. Auch sie spuckten mir ins Gesicht, verspotteten mich, und sagten, daß sie sich schämten, mich als Mann und Vater zu haben. Und Mihai streckte seine Faust aus, um mich zu schlagen. Das war zuviel. Ich wurde wieder ohnmächtig. Als ich zu mir kam, war ich mit den Verhörern allein. Das ganze war eine Halluzination gewesen.

Mir war klar, dass ich verrückt geworden war, wie so viele vor mir, deren Schreie ich in dem gewölbten Korridor hallen hörte.

Und jetzt seid ihr, liebe Kinder, gekommen, um meine einsame Zelle zu füllen. Ihr seid wirklich hier. Ich weiss nicht, ob es das ist, was die geistig Gesunden das wirkliche "Hier" nennen oder ob es mein "Hier" ist, das Hier eines Verrückten. Aber ihr seid hier. Und nicht nur ihr, Kinder, seid in meiner Sonntagsschule. Heute sehe ich auch eure Schutzengel. Sie hoffen, dass ich euch das Richtige erzähle. Sie dürsten selbst danach, eine schöne Geschichte über Jesus zu hören.

Und seht, da ist er selbst, das heilige Kind. Früher erschien er St. Hieronymus, dem Mönch, der zuerst die Bibel ins Lateinische übersetzte, in der Gestalt eines Kindes.

Hieronymus arbeitete an seiner Übersetzung in Bethlehem, dem Geburtsort unseres Herrn. Als er betete, erschien ihm Jesus als Kind. Dieses erfüllte das Herz des Heiligen mit einer solchen übermässigen Süsse, dass er sagte: "Liebster Jesus, ich wünschte von ganzem Herzen, dir ein Geschenk machen zu können. Sag mir, was dich am meisten erfreuen würde." Das Kind lächelte und antwortete: "Himmel und Erde und alles, was darin ist, gehören mir. Was kannst du mir schon geben?" Der heilige Mann sagte jedoch: "Aber ich liebe dich und möchte dir ein Geschenk machen. Willst du das wenige Geld, das ich als Mönch besitze, annehmen?" Das Kind lächelte wiederum und antwortete: "Gib dein Geld den Armen. Ich habe keine Verwendung dafür." St. Hieronymus war jedoch hartnäckig: "Ich kann dich nicht mit leeren Händen gehen lassen. Was soll ich dir geben?" Das Kind wurde daraufhin sehr ernst und sagte: "Wenn du mir etwas schenken willst, was mein Herz mit Freude füllen wird, dann gib mir alle deine Sünden und deine Begierden. Ich werde wegen ihnen am Kreuz sterben. Keine andere Gabe könnte mein Herz mit einer solchen Freude erfüllen."

Gesegnet ist, der da kommt im Namen des Herrn! Hier unter uns ist das Kind Jesu. Lasst uns Ihm dies Geschenk bringen - unsere Unwahrhaftigkeit, unseren Egoismus, unseren Zorn unsere Bitterkeit. Und so wird Er seine Zeit in Freude mit uns verbringen.


Du, der Du mich geschaffen hast - die Kinder, über deren Gegenwart ich mich so gefreut habe, sind verschwunden. Ebenfalls auch ihre Schutzengel und das heilige Kind. Es war auch wie heute morgen, als man mich schlug, eine Halluzination. Ich bin wirklich verrückt geworden.

Ich habe viele Irrenanstalten besucht. Einige der Patienten sind glücklich. Sie glauben, Kaiser oder Heilige zu sein. Andere leiden an ständigen Alpdrücken und glauben, sie werden verfolgt, seien in Gefahr und werden gefoltert.

Wäre es zuviel, Dich um eines zu bitten? Gib mir ein glückliches Verrücktsein. Lass mich sehen, wie sich die Kinder um mich drängen und lass mich ihre schönen Engel sehen. Lass mich immer das Kind Jesus sehen. Es mag einige geben, die dies gar nicht als Halluzination, sondern als eine Vision von Dir ansehen werden. Diese Menschen sind vielleicht ebenso verrückt wie ich. Aber sie werden das, was ich sage, schätzen, und ich werde getröstet werden.

Soviel, ein glückliches Verrücktsein, erbitte ich von Dir. Amen.



Aus "Stärker als Kerkermauern", Richard Wurmbrand, 1969